
| Soll man sich das wirklich antun? Drei, vier Tage oder gar eine Woche
Mickey Mouse total? Die Antwort einiger (meist anfangs skeptischer)
ARD-Reporter mit Kindern in allen Altersgruppen: Yep, es lohnt sich!
Disney World kann ein großer Spaß für die ganze Familie sein, wenn man
einige Tipps beherzigt. Reisezeit Gewarnt sei vor den Osterferien. Halb Europa ist dann offenbar in Florida und trifft sich mit unzähligen US-Familien und -Teenagern, die um diese Zeit »Spring Break« haben. Das Ergebnis: Hauptsaison bei Mickey Mouse. Die Disney-Manager leisten zwar erstaunliches, um die Warteschlangen kurz oder wenigstens bei Laune zu halten, aber 40 Minuten Wartezeit für ein 5-Minuten- Vergnügen können einem schon den Spaß verderben. Ideal für Familien aus Deutschland sind die Herbstferien, besonders wenn sie länger sind als eine Woche, weil man dann noch anderes unternehmen kann. Das Wetter in Orlando ist angenehm mild, US-Familien werden von den Schulen zu Hause festgehalten und die ganze Atmosphäre ist sehr viel angenehmer. Die deutschen Sommerferien sind keine gute Zeit für eine solche Reise. Auch in den USA ist dann Hauptsaison, und außerdem erreichen die Temperaturen Werte, die nur mit Klima-Anlage zu ertragen sind. Disney Resorts sind durch ein ausgezeichnetes Bus-System mit allen Parks verbunden. In ihren Dekorationen, Geschäften und in ihrer ganzen Einstellung versuchen sie, es Familien recht zu machen, die zum Vergnügen gekommen sind. Mickey Mouse besucht die Kids beim Frühstück, der Ton und die Uniformen der Angestellten sind lustig und freundlich, im Restaurant kommen Block und Wachsmalstifte gleich mit auf den Tisch. Außerdem öffnen einige Parks für Resort-Gäste jeden Tag früher als für die anderen Besucher. Da kann man die begehrtesten Attraktionen vor dem Massenandrang genießen. Überhaupt: Die Preise ... Ein billiges Vergnügen ist das Ganze nicht – auch wenn die ganze Familie mit bis zu fünf Personen in einem Zimmer wohnt (was ganz selbstverständlich akzeptiert wird). Der Eintrittspreis für die Parks liegt pro Tag und Person – je nach Arrangement – etwas über oder unter 40 Dollar. Da kommt ganz schön 'was zusammen ... Dafür wird einem aber auch sehr viel mehr geboten als nur ein paar Achterbahn- Fahrten. In allen Parks laufen aufwendig produzierte Kurz-Shows wie »König der Löwen«, »Glöckner von Notre Dame« und »Die Schöne und das Biest«. Überall gibt es täglich Paraden und großartige Feuerwerke (im Jahr 2000 besonders zu empfehlen: die anspruchsvollen Produktionen »Tapestry of Nations« und »Illuminations« im Epcot-Center). Alles ohne weitere Kosten. Wer länger bleibt, sollte die Eintrittskarten für mindestens einen Tag weniger lösen als er vorhat in Disney World zu sein. Es tut ganz gut, mal einen Tag auszuspannen und am Hotel-Pool zu bleiben, der ja schon bezahlt ist. Auch ein Tag in den »Universal Studios« (eine Konkurrenz zu Disney) oder – wer es lieber reell haben will – im Weltraumbahnhof »Cape Kennedy« sind eine gute Abwechslung. Gut kombinieren lassen sich die Tage in Disney World mit einer Ferienwoche auf Sanibel oder Captiva, zwei schönen Inseln an der Golfküste, oder ein paar Tagen in South Beach Miami (den Everglades Nationalpark auf der Fahrt dorthin nicht links liegenlassen ...!). Wie lange bleiben? Wem gefällt was? Wie schon erwähnt: Disney World ist kein Ziel für einen Tagesausflug. Dafür ist zuviel zu sehen und zu tun. Mehr als einen der vier Parks schafft man im Schnitt an einem Tag nicht. · »Magic Kingdom« ist am ehesten das, was man sich gemeinhin unter einem Disney-Park vorstellt. Mickey und Minny, Schneewittchen und die sieben Zwerge spielen die Hauptrollen. Im Mittelpunkt steht ein Nachbau von Neuschwanstein als »Dornröschen's Schloss«. Alles natürlich furchtbar kitschig, aber auch sehr hübsch gemacht. Es ist schon amüsant zu beobachten, wie bei den meisten Erwachsenen nach kurzer Zeit das Kind im Mann (und in der Frau) die Oberhand gewinnt. In der Abteilung »Tomorrowland« des »Magic Kingdom« wird auch den Größeren etwas geboten. Der alte »Space Mountain«, eine Achterbahn durch eine dunkle Sternennacht, wurde modernisiert und ist immer noch eine spannende Sache. · Die »MGM Studios« nutzen die Filmverbindungen der Disney Corporation. Shows und Attraktionen von den Muppets bis zu John Wayne. Hier steht auch der »Tower of Terror«, der nicht so schrecklich ist wie er aussieht. Ein »Ride« in einem heruntergekommenen Hotel, bei dem die Fahrstühle besonders schnell 'runterkommen. Ein liebevoll inszenierter Nervenkitzel. Die neueste Attraktion ist der »Rock and Rollercoaster«, eine moderne Version des Space-Mountain, der eine wilde Fahrt durch Los Angeles mit der Rockband »Aerosmith« simuliert. · Die meisten von uns haben sich am längsten und am liebsten im »Epcot Center« aufgehalten. Die »Future World« bietet neben Unterhaltung auch eine Menge zu lernen; und die andere Hälfte des Parks, der »World Showcase«, ist eine Art Weltausstellung im kleinen. Von Mexiko über Japan und Deutschland bis Frankreich und Kanada präsentieren sich ein rundes Dutzend Länder mit ihrer Architektur, ihrer Kueche und ihrer Kleinkunst – von Minnesängern bis zu japanischen Tempeltrommlern. In den Gourmet-Ländern wie Frankreich und Kanada ist das Essen in den schön dekorierten Restaurants ausgesprochen gut und einen Abendausflug wert. Das Personal sind stets gut gelaunte junge Leute aus den jeweiligen Ländern, was einen Hauch von Echtheit bringt. Nach kurzer Zeit stören einen Pappmaschee und Plastik sowieso kaum noch. Dafür ist alles perfekt. Sogar die Algenbeläge an den Wänden der Kanäle sind aufgemalt. Ganz ohne Belag würde es so künstlich aussehen wie es tatsächlich ist, das Wasser ist aber zu sauber für echten Algenwuchs. · Der neueste Park ist »Animal Kingdom«, Disneys Konzept für einen modernen Zoo. Elefanten und Giraffen laufen »frei« in einer Savanne, durch die die Besucher in Expeditions-Trucks gefahren werden. Tiger streifen durch indische Tempelruinen. Riesen-Fledermäuse hängen in altem Gemäuer. Überall mischt sich Disney-Personal in Wildhüter- Uniformen unter die Menge, wo sie ganz unkompliziert, aber kompetent auf Fragen antworten. Auch hier muss man wieder Kompromisse machen mit Plastik und Attrappen, aber trotzdem hat man das Gefühl, den wahren Lebensverhältnissen dieser Tiere näher zu kommen als anderswo. Natürlich geht es auch hier nicht ohne Nervenkitzel. Die »Wildwasserfahrt auf dem Kali River« ist ein harmloser, aber nasser Spass (Schuhe ausziehen und Ersatz-T-Shirt mitbringen) und die Show »ItÔs hard to be a Bug« im Kino unter dem Lebensbaum ist das beste, was Disney zur Zeit als 3-D-Simulation zu bieten hat (danach kann man sich notfalls die an sich gute Show »Honey, I shrunk the Audience« in Epcot sparen). Sehr schön sind auch die ernsteren Stationen wie die Tier-Sanitätsstelle, die nicht um ein Massenpublikum wirbt. In allen Parks gibt es die eine oder andere Attraktion, die das Warten nicht lohnt, aber da ist schwer zu raten, da die Geschmäcker nun einmal verschieden sind. Manche mögen die Reise mit der Zeitmaschine (»Time Keeper«) im »Magic Kingdom« langweilig finden (auch weil man die englischen Texte verstehen sollte, um sie zu genießen), anderen gefällt sie gut. Die Transponder-Maschine gegenüber mit dem »Extra-Terror-restrischen« Wesen fanden wir allerdings alle – Eltern wie Kinder – auf dumme Weise furchteinflößend. Survival Es gibt mehr zu sehen und zu tun als man in einen kurzen Urlaub packen kann. Man darf gar nicht erst auf die Idee kommen, bis zur Erschöpfung alles abzuhaken, sonst macht man sich verrückt. Auch Disney World will in Maßen genossen sein. Neu und praktisch sind an den begehrtesten Attraktionen die »Fast Pass«. Man bekommt eine Zeit zugeteilt, an der man wiederkommen und praktisch ohne Warten mitfahren kann. Die Gäste der Disney Resorts bekommen jeden Tag in einigen Parks bevorzugten (das heißt früheren) Einlass. Es ist keine schlecht Idee, den Jet-Lag nach dem Flug aus Europa dazu auszunutzen, früh aufzustehen und den Tag zu teilen. Eine Mittagspause wieder im Hotel mit kleiner Siesta und einem Bad im Pool und dann ein zweiter Besuch (in einem anderen Park, denn bis dahin sind die mit frühem Einlass besonders voll) mit Abendessen und Feuerwerk. Und noch ein ganz praktischer Tip: Die Shuttle-Busse, die am Flughafen ihre Dienste anbieten, sind für Familien mit drei oder mehr Personen deutlich teurer als ein eigenes Taxi. Und noch etwas zu guter letzt: Es ist alles andere als albern, in der heißen Jahreszeit einen »Knirps« als Sonnenschirm mitzunehmen. Besonders in den Warteschlangen oder am Rande der Paraden ist der transportable Schatten ein Segen. Einen Eindruck wird man in jedem Fall mitnehmen: Dieses Konzept von Rundum-Happiness mit Total-Vermarktung konnte nirgendwo anders erfunden werden als in den USA. Nur hier haben Erwachsene, die sonst im Beruf ihren Mann und ihre Frau stehen, so wenig Probleme damit, sich für ein paar Tage wie Kinder zu benehmen und zu freuen. Es tut uns steifen Deutschen ganz gut, da mitzumachen und zu merken, wieviel Spaß das macht ... ;-) |
![]()